Werk.genau

By 2014-09-12Project @en

Riesige leere Hallen, kahle Wände, in Teile zerlegte Maschinen, Zurückgebliebenes da und dort, kein Leben, längst verhallte Produktionsgeräusche, menschenleer. 2009 wurde die 1898 in Hallein gegründete Papierfabrik geschlossen. Der Künstler Csaba Fürjesi, in Ungarn geboren, lebt und arbeitet in Hallein. Zu einem Rundgang in die verlassene Produktionsstätte eingeladen, bewegt sich Fürjesi durch eine baulich noch intakte Umgebung des beginnenden Zerfalls. So der äußere Befund. Die in Auflösung begriffene Atmosphäre der stillgelegten Fertigungshalle regt in Csaba Fürjesi einen schöpferischen Prozess an.

Vorstellungen und Gedanken über Arbeitsvorgänge und den Tagesablauf der in der Fabrik tätigen Personen, über die guten und schlechten Tage zu Zeiten ihrer damaligen Werktätigkeit begleiten ihn im Weitergehen. Die verlassene Szenerie erzeugt in ihm ein reales, gleichsam zurückgebliebenes Stillleben über die aktiven Fabrikationsjahre. Er nimmt die ausgestorbenen Werkhallen als „humane Legende“ wahr und lässt sich darauf ein.

Zu seiner großen Überraschung und Freude findet sich in einem Schrank ein Stoß offenbar vergessener Zellulose -Vliese im Format von ca. 73 x 75 cm, Papiergewicht 1000 g/m2, hoch empfindliche Oberfläche.

Fürjesi hat eine große Leidenschaft für Papier. Seit Jahren experimentiert und arbeitet er erfolgreich mit Druckgrafiktechniken wie Radierung, Aqua Tinta, Linoldruck im Hochdruck- und Tiefdruckverfahren.

Die Entdeckung der zurückgebliebenen Papiere bewirkt in ihm einen Sturm innerer Bilder, die ihn zum Arbeiten drängen und zum Ausgangsmaterial und Träger für sein Vorhaben werden. Der besondere Wert des Papiermaterials liegt für Fürjesi unter anderem in ihrer auffallenden Struktur und der charakteristischen Oberfläche. In kurzer Zeit entstehen über 60 Exponate, 49 davon sind in der Ausstellung in der ehemaligen Papierfabrik, nunmehr Ausstellungshalle, zu sehen. Einem Archäologen nicht unähnlich sucht und findet der Künstler Spuren aus der Vergangenheit im gesamten Fabrikgelände. Kleine und größere Teilchen von Maschinen, Reststücke von Einrichtungsgegenständen, Vergessenes, Verlorenes, Schadhaftes. Die entdeckten Gegenstände werden von Fürjesi zum Leben erweckt. Er entwirft in seinem Kopf Druckgrafiken von Rohrabschnitten, Kabeln, Leitungen, von Farbboxen, von Stofffetzen und Netzen, Schaltern, Papier, Plastikteilen, Schrauben. Nun werden von ihm Abdruck-Masken der Fundgegenstände aus Papier ausgeschnitten, mit Ölen, Fetten und Farben getränkt und auf das Trägerpapier aufgelegt. Mehrere Wiederholungsprozesse sind nötig, bevor das Blatt in die Druckerpresse kommt. Fürjesi spricht von einem Material- und Reliefprint. Mitunter dreht er den Herstellungsprozess um und beginnt zuerst Farbe aufzutragen und dann die Masken darauf anzuordnen. „Es braucht große Erfahrung im Umgang mit Materialien, man muss wissen, welches Material wofür zu verwenden ist“, erklärt Fürjesi. Es handelt sich weder um Assemblagen noch um Collagen. Durch die Schichtung einzelner Druckvorgänge entsteht eine verblüffende Raumwirkung. Ein Blatt aus Fürjesis Serie zeigt auf kleinen Täfelchen die Zahl der unfallfreien Arbeitstage an. Die Produktionsvorgänge in der Papierfabrik waren nicht ungefährlich und Fürjesi will mit seiner „Handarbeit“ die Leistung der Fabrikarbeiter ehren. So erzählen die Grafiken von Csaba Fürjesi mittels bildhafter Annäherung Geschichten. In ihnen vereinen sich realistische Elemente mit künstlerischer Wahrnehmung. Fürjesis Ausstellung ist das letzte Zeichen von Lebendigkeit der legendären „Halleiner Papierfabrik“, bevor die Räume neuer Nutzung zugeführt werden.

Mag. Ulrike Guggenberger
Kunsthistorikerin, Journalistin

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